Das Komitee der Fünf
Das Fünfer Komitee wurde 1863 quasi als "Ausschuß" der "Genfer Gemeinnützigen Gesellschaft" gegründet. Ihm gehörten folgende Herren an:
Henry Dunant
Dr. Gustave Moynier
Guillaume-Henri Dufour
Dr. Louis Appia
Dr. Théodore Maunoir
Henry Dunant
* 8. Mai 1828 in Genf
† 30. Oktober 1910 Heiden
Henry Dunant ist Initiator und Gründer des Roten Kreuzes. 1859 widerfuhr ihm das Schlüsselerlebnis seines Lebens - auf einer Geschäftsreise nach Solferino in Oberitalien. Er wurde Zeuge einer der blutigsten Schlachten der Geschichte mit über 40.000 Verwundeten und Toten. Schockiert vom Erlebten schrieb er 1862 seinen Erlebnisbericht "Eine Erinnerung an Solferino" und veröffentlichte ihn in einer Stückzahl von 1.600 Exemplaren auf eigene Kosten. Diese Schrift half ihm, daß auch Staatsoberhäupter auf seine Idee einer internationalen Hilfsorganisation aufmerksam wurden. 1863 wurde in Genf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gegründet, Dunant dessen Sekretär und nur ein Jahr später die erste Genfer Konvention erlassen. 1901 wurde Dunant in Würdigung seiner unermüdlichen Anstrengungen und Verdienste um die Menschlichkeit der ersten Friedensnobelpreis verliehen.
Gustav Moynier
* 21. September 1826
† 21. August 1910
Gustave Moynier stammte aus einer sehr wohlhabenden Familie, studierte in Paris Jura und machte 1850 seinen Doktortitel. Bereits sehr früh beschäftigte er sich mit sozialen Fragen und dem Gemeinwohl. Als Vorsitzender der "Gemeinnützigen Gesellschaft von Genf" ist er begeistert von Dunants Buch und bringt dessen Vorschläge 1863 in der Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Diskussion. Dies bot den Anlaß zur Gründung des Fünfer-Komitees, dessen Vorsitzender Moynier wurde. Er war entschiedener Gegner der Neutraliserungsidee, welche Dunant eigenmächtig bei der ersten Genfer Konferenz präsentierte. Durch diese Eigenmächtigkeit und der Veruteilung Dunants wegen betrügerischem Bankrotts verschlechtert sich Moyniers Verhältnis zu Dunant so sehr, daß er bald als Widersacher Dunants galt. 1872 unterbreitete Moynier unter dem Eindruck der im preußisch-französischen Krieg von 1870/71 begangenen Grausamkeiten den ersten förmlichen Vorschlag zur Errichtung eines Internationalen Strafgerichtshofs. Im Zeitalter der Nationalstaaten und des ausgeprägten Souveränitätsdenkens hatte dieser Vorschlag aber lange Zeit keine Chance.
Guillaume-Henri Dufour
* 15. September 1787 in Konstanz
† 14. Juli 1875 in Contamines
Guillaume-Henri Dufour studierte an der Technischen Hochschule in Paris. In Thun schuf er eine Offizierschule, in welcher auch der spätere Kaiser Napoleon III Schüler war. Dadurch entwickelte sich eine enge Freundschaft mit dem Kaiser. Von 1810 bis 1815 war er Offizier in dessen Armee. 1847, im Bürgerkrieg zwischen den Sonderbunds- und den restlichen Kantonen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, wurde Dufour Befehlshaber der eidgenössischen Truppen. Ihm ist zu verdanken, daß dieser Krieg so glimpflich verlief und es weniger als 100 Tote gab. Dufour verfaßte als Kantonsingenieur von Genf verschiedene Schriften über Mechanik und Physik und war er an Planung und Bau verschiedener Brücken, Plätze und Promenaden, dem Wasserwerk und dem Bundesdenkmal im Englischen Garten beteiligt. Durch seine Arbeit hat er Genf bis heute seinen Stempel aufgedrückt. Doch er war auch Topograph und setzte sich dafür ein, daß die Schweiz mit einem Netz von Vermessungspunkten bedeckt wurde, was die Schaffung der ersten exakten Landeskarte der Schweiz ermöglichte, die ihm zu Ehren "Dufourkarte" genannt wird. Als Henry Dunant ihm im Jahr 1862 seine Schrift "Eine Erinnerung an Solferino" vorlegte, bestärkte ihn Dufour in seinem Engagement für die humanitäre Hilfe und wurde Mitglied im Fünfer-Komitee.
Dr. Louis Appia
* 13. Oktober 1818 in Hanau (Frankfurt/M)
† 1. Mai 1898 in Genf
Louis Appia ist das dritte von sechs Kindern des Pfarrers Paul Joseph Appia und seiner Frau Caroline Develey. Der Vater stammte aus Turin und hatte in Genf studiert, bevor er 1811 nach Hanau kam, um die dortige Hugenottengemeinde zu betreuen. Appia besuchte das Frankfurter Gymnasium und ging im Alter von 18 Jahren nach Genf, um dort die Hochschulreife zu erlangen. 1838 begann er in Heidelberg ein Medizinstudium, das er 1843 mit dem Doktortite abschloß. Die Unruhen in der Schweiz 1847 veranlassten Appia aus Sorge um seine Großeltern nach Genf zu reisen. Von hier aus fuhr er nach Paris weiter, wo er den Ausbruch der Märzrevolution 1848 und die Straßenkämpfe erlebte. 1849, nach dem Tod des Vaters, ließ er sich in Genf nieder, wo er als Chirurg praktizierte. Später wurde er Schweizer Staatsbürger. Sein Interesse für die Probleme der Kriegschirurgie führte ihn 1859 auf den italienischen Kriegsschauplatz, wo er seine Studien auf den Schlachtfeldern und in den Lazaretten betrieb, so auch bei der Schlacht von Solferino. Appia arbeitete in Feldlazaretten, organisierte benötigtes Material und warb um Spenden, um den Verwundeten helfen zu können. Diese Freiwillige Hilfe wurde zu seinem Lebensinhalt. Erst 1860 erwarb er das Genfer Bürgerrecht. Zwei Jahre später wurde er Vorsitzender der Medizinischen Gesellschaft in Genf. 1863 wurde er gebeten im Fünfer-Komitee die Ideen Henry Dunants zu prüfen und an der Verwirklichung mitzuwirken. Im deutsch-dänischen Krieg von 1864 bewegte Appia sich auf preußischer Seite als Beobachter des Komitees auf dem Schlachtfeld. Dabei trug er - wie sein niederländischer Kollege van de Velde auf dänischer Seite - eine Armbinde, darauf zum erstenmal das "Rote Kreuz". Er brachte den Generälen und Offizieren die Beschlüsse der ersten Genfer Konferenz näher und leistete praktische ärztliche Hilfe. Seine Erfahrungen schrieb er in einem umfangreichen Bericht nieder. Nach dem Ausschluss Dunants 1867 wurde Appia bis 1870 dessen Nachfolger als Sekretär des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Im Oktober 1872 reiste er nach Ägypten, um dort die Gründung einer ersten außereuropäischen Rotkreuz-Organisation zu unterstützen. Er schrieb Fachartikel und Broschüren. Auf vielen Kongressen und Konferenzen engagierte er sich für die Prinzipien des Roten Kreuzes und verhalf ihnen somit zum Durchbruch. Appia trat dafür ein, daß über den Einsatz im Krieg hinaus die nationalen Hilfsgesellschaften der Bevölkerung auch bei Naturkatastrophen und Epidemien beistehen sollten. Sein Einsatz galt auch denen, die nach blutigen Unruhen in der Herzegowina 1875 nach Montenegro geflüchtet waren. Bis 1892 nahm er an den Rotkreuz-Konferenzen teil.
Dr. Theodor Maunoir
* 1. Juni 1806 in Genf
† 22. April 1869
Théodore Maunoir stammte aus einer wohlhabenden Genfer ärztefamilie, studierte Medizin in England und Frankreich, wurde 1833 Doktor der Chirurgie in Paris und später Mitglied der Genfer Kommission für Hygiene und Gesundheit. 1832 gründete er mit zwei Genfer Freunden, John Bizot und Marc-Jacob d'Espine, die "Société médicale d'observation de Paris". Maunoir war mit Louis Appia befreundet und Mitglied der "Genfer Gemeinnützigen Gesellschaft". Pierre Boissier beschreibt ihn in der Geschichte des IKRK "Von Solferino nach Tsushima" als "einen Mann mit großen Qualitäten. Außergewöhnlich intelligent und charmant, seine Briefe sind erfüllt von einem entzückenden Humor". Sein klarer und präziser Verstand war von unschätzbarem Wert, das zu gründen, was heute die größte Bewegung von Freiwilligen ist. Bis zu seinem recht frühen Tod blieb er ein überaus engagiertes Mitglied des IKRK.





